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Fallbeispiele zur EnEV 2009

 

Fallbeispiele zur EnEV 2009

Veranstaltungsort:
R V Versicherung AG, Wiesbaden
Reguliererbörse, 17.08.2010

Referent:
Dipl. Ing. Stefan Flender

Was besagt die Bagatellregelung gem. EnEV 2009?

Regelung aus der EnEV 2007:
Anforderungen gelten nur, wenn von der geplanten Maßnahme 20% der Bauteilfläche gleicher Orientierung (Himmelsrichtung) betroffen sind. Diese Regelung wird von vielen Baubeteiligten in der Praxis noch immer vorgetragen.

Regelung aus der EnEV 2009:
Anforderungen gelten nur, wenn von der geplanten Maßnahme 10% der gesamten jeweiligen Bauteilfläche betroffen sind.

Daraus folgt:
Wird ein Bauteil in 11 gleichen Abschnitten zu je weniger als 10% der jeweiligen Gesamtfläche saniert, greift die EnEV 2009 nicht.

01

EnEV 2007:
Bauteilfläche gleicher Orientierung: 38 m²
Schadhafte Fläche 10 m² > ca. 26 % > ENEV greift

EnEV 2009:
Bauteilfläche gesamt: 110 m²
Schadhafte Fläche 10 m² > ca. 9 % > ENEV greift nicht

Worin unterscheiden sich bedingte und unbedingte Anforderungen gem. ENEV 2009?

Unbedingte Anforderungen sind Nachrüstpflichten, die auch dann greifen, wenn keine Maßnahme ausgeführt wird.

02

Heizkessel müssen ausgetauscht werden, wenn sämtlich folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  • Der Kessel wird mit gasförmigen oder flüssigen Brennstoffen befeuert.
  • Der Kessel ist kein Niedertemperatur- oder Brennwertkessel.
  • Die Nennleistung beträgt mind. 4 und max. 400 kW.
  • Der Kessel dient nicht ausschließlich der Wasserbereitung.

Versichertes Ereignis am Kessel > Austauschpflicht bestand bereits vor Schadeneintritt.

Ausnahme:
Bei Ein- und Zweifamilienhäuser greift die Pflicht erst nach Eigentümerwechsel, der nach dem 01.02.2002 stattgefunden hat. Der neue Eigentümer hat zwei Jahre Zeit, die Pflicht zu erfüllen.

Versichertes Ereignis am Kessel > Restnutzungsdauer max. 2 Jahre > Zeitwert?

Hinweis:
Viele der Altanlagen werden vom zuständigen Bezirks-Schornsteinfeger trotz zwingender Erforderniss des Austausches geduldet. Die Nachrüstpflicht hängt nicht davon ab, ob ohnehin Arbeiten am Kessel ausgeführt werden.

Beispiel:
Wärmeverteil- und Warmwasserleitungen in unbeheizten Kellern

03

Wärmeverteil- sowie Warmwasserleitungen und Armaturen, die sich nicht in beheizten Räumen befinden, müssen im Sinne von Anlage 5 ENEV gedämmt werden, wenn beide folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Die Leitungen bzw. Armaturen sind frei zugänglich.
  • Die Leitungen bzw. Armaturen sind bisher ungedämmt.

Ausnahme:
Bei Ein- und Zweifamilienhäuser, die Pflicht greift erst nach Eigentümerwechsel, der nach dem 01.02.2002 stattgefunden hat. Der neue Eigentümer hat zwei Jahre Zeit die Pflicht zu erfüllen.

Hinweis:
Die Nachrüstpflicht hängt nicht davon ab, ob ohnehin Arbeiten am Leitungsnetz ausgeführt werden.

Bedingte Anforderungen greifen wenn am Gebäude gearbeitet wird, und dann auch nur in dem Umfang, in dem ohnehin am Gebäude gearbeitet wird. Hier gilt bei Bauteilmaßnahmen allgemein die Bagatellgrenze von 10 %.

Beispiel:
An einem Wohnhaus sind durch ein Schadenereignis ca. 30 % der Fassadenfläche geschädigt. Die Maßnahme überschreitet die Bagatellgrenze deutlich.

04

Die neuen Fassadenflächen, und nur diese, müssen also den Anforderungen der ENEV genügen. Die Fassade darf gem. EnEV einen U-Wert von maximal 0,24 W/(m² K) aufweisen.

Hinweis:
Die EnEV verlangt nicht, dass eine Maßnahme auf Bereiche ausgedehnt wird, die vom Schaden nicht betroffen sind.

Bei welcher Art der Putzerneuerung verlangt die EnEV die Einhaltung eines bestimmten U-Wertes?

Beispiel:
Fassade MFH geschädigt durch Schadenfeuer, Oberfläche kann nur durch Entfernen von Hohllagen in kleinen Teilbereichen sowie durch Komplettspachtelung der betreffenden Ansicht erneuert werden.

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Das Ausbessern des Putzes auch das Aufbringen einer neuen Putzschicht auf den vorhandenen Oberputz stellt keine einschlägige Putzerneuerung dar, die eine Ertüchtigung gem. EnEV begründet. Als einschlägig ist vielmehr das Neuverputzen der Fassade nach Abschlagen des Altputzes auf wesentlichen Flächen zu bezeichnen. Eine energetische Ertüchtigung wird auch dann durch die EnEV nur gefordert, wenn der bestehende U-Wert der bestehenden Wand schlechter als 0,90 W/(m² K) ist. Zudem gilt die Bagatellregelung mit 10 % bezogen auf die gesamte Fassadenfläche.

Muss eine Zwischensparrendämmung um eine Auf- oder Untersparrendämmung ergänzt werden?

Beispiel:
Satteldachfläche einseitig, jedoch über 10 % der Gesamtfläche geschädigt. Bagatellregelung findet keine Anwendung, Sparrenhöhe = 14 cm, nicht ausreichend für die Einhaltung der Anforderungen der EnEV im Hinblick auf U-Wert für Dächer (Wohnraum).

06

Eine Ertüchtigung der Wärmedämmung muss nicht erfolgen, wenn die Dicke der Zwischensparrendämmung begrenzt ist durch:

  • eine Innenbekleidung, die nicht erneuert wird.
  • durch die Sparrenhöhe.

Hier genügt der Einbau einer Vollsparrendämmung, auch wenn der geforderte UWert nicht erreicht wird.

Eine Aufdopplung der Sparren zum Einbau einer dickeren Dämmung oder eine Ergänzung der Dämmung mittels Auf- oder Untersparrendämmung ist aus wirtschaftlichen Gründen durch die EnEV nicht gefordert.

Hinweis:
Die Einschränkung “höchstmögliche Dämmstoffdicke“ gilt nicht bei der Erneuerung von innenseitigen Bekleidungen, sonder nur wenn die Dachaußenhaut allein betroffen ist.

Wann kommt die EnEV bei Flachdachsanierungen zum tragen?

Die EnEV stellt Anforderungen an den U-Wert eines Flachdaches, wenn die Erforderniss besteht die Abdichtung zu erneuern.

Eine Erneuerung liegt dann vor, wenn eine vollständig neue Dachabdichtung aufgebracht wird, ohne dass die vorhandene Abdichtung funktionaler Teil der neuen Abdichtung wird.

07

Foliendach = 1-lagige Abdichtung. Auch wenn die alte Folie im Dachaufbau, z.B. als Trennlage verbleibt, ist sie kein funktionaler Teil der neuen Abdichtungslage. Es liegt eine Erneuerung der Dachhaut vor, die Anforderungen der EnEV 2009 sind zu beachten.

08

Durch Sturm wurden ca. 50% des Dachaufbaus angehoben. Die Befestigung erfolgte ursprünglich mit Heißkleber. Schadenbedingt notwendig ist nunmehr die mechanische Befestigung mittels Tellerankern durch die bestehende Dachabdichtung. Dies fordert zwangsläufig die Erneuerung der obersten Bitumenbahn im Dachaufbau. Es wird eine Sanierungslage auf bestehender Abdichtung aufgebracht. Es handelt sich um die Regeneration einer Abdichtung, die vorhandene Abdichtung wird lediglich ergänzt. Die EnEV stellt in diesem Fall keine Anforderungen an den U-Wert.

Auf welche Fläche bezieht sich die Bagatellregelung bei Flachdächern?

Unter dem Begriff “jeweiliges Bauteil“ ist das jeweilige für sich geometrisch abgeschlossene Bauteil zu betrachten. Bei Gebäuden mit verschiedenen räumlich getrennten Dachkonstruktionen ist jedes Bauteil für sich zu betrachten.

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Als Bauteilfläche, auf die die Bagatellgrenze (10%) bezogen wird, sind jeweils die geometrisch abgegrenzten Dachflächen zu betrachten.

Hinweise:
Die Regelung ist in der Praxis stark auslegungsfähig: Es kommt vor, dass zusammenhängende Dachflächen z.B. einer Reihenhausbebauung zu teilen sind. Hier gilt die Dachfläche welche dem einzelnen, wirtschaftlich eigenständigen Einzelhaus zuzuordnen ist.

Gem. der Regelung wären zwei versetzten Pultdachflächen entgegen einer Satteldachfläche bei einem EFH differenziert zu betrachten?

Gilt eine über die Dachfläche gezogene Brandmauer als geometrische Trennung?

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